Wildcampen in Europa: Regeln je Land im Überblick

Wo Wildcampen in Europa erlaubt ist und wo nicht: Deutschland, Österreich, Schweiz, Skandinavien, Schottland und mehr, mit Stand Oktober 2026.

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Wildcampen ist in Skandinavien, Estland und Schottland erlaubt, in einigen Ländern geduldet und in den meisten Teilen Mitteleuropas, auch in Deutschland, Österreich und Tschechien, grundsätzlich verboten. Entscheidend ist, ob ein Land ein traditionelles Betretungs- und Aufenthaltsrecht kennt, etwa das norwegische allemannsretten, oder ob Wald- und Naturschutzgesetze das Übernachten regeln. In Nationalparks gelten fast immer strengere Vorschriften als im Umland.

Wichtig: Diese Übersicht hat den Stand Oktober 2026 und dient der Reiseplanung. Sie ist keine Rechtsberatung. Die Regeln unterscheiden sich je Region, ändern sich und hängen vom konkreten Grundstück ab. Fragen Sie im Zweifel bei der Schutzgebietsverwaltung oder der Gemeinde nach.

Die Länder im Vergleich

Land Wildcampen Das Wichtigste
Deutschland grundsätzlich verboten Landeswaldgesetze verbieten Zelten im Wald; einzelne Länder erlauben eine Nacht außerhalb von Wald und Schutzgebieten; Alternative: Trekkingplätze
Österreich grundsätzlich verboten Im Wald nur mit Zustimmung des Eigentümers (Forstgesetz); außerhalb regeln die Bundesländer, teils mit Komplettverbot
Schweiz kantonal geregelt Kein landesweites Verbot; oberhalb der Baumgrenze für eine Nacht oft geduldet; im Schweizerischen Nationalpark und in Wildruhezonen verboten
Norwegen erlaubt Jedermannsrecht; mindestens 150 m Abstand zu bewohnten Häusern, bis zu zwei Nächte am selben Ort ohne Erlaubnis
Schweden erlaubt Jedermannsrecht; ein bis zwei Nächte, außer Sichtweite von Häusern, nicht auf Äckern
Finnland erlaubt Jedermannsrecht erlaubt vorübergehendes Zelten mit Abstand zu Wohnhäusern; Feuer nur mit Zustimmung des Eigentümers
Estland weitgehend erlaubt Jedermannsrecht und viele kostenlose Waldlagerplätze der staatlichen Forstverwaltung RMK
Schottland erlaubt Land Reform (Scotland) Act 2003 und Scottish Outdoor Access Code; klein, leicht, kurz; Genehmigungszonen am Loch Lomond in der Saison
England und Wales grundsätzlich verboten Erlaubnis des Eigentümers nötig; Ausnahme sind ausgewiesene Flächen im Dartmoor
Tschechien grundsätzlich verboten Waldgesetz verbietet Zelten im Wald außerhalb ausgewiesener Stellen
Polen in ausgewiesenen Zonen Staatsforsten weisen Waldgebiete für Übernachtungen aus; anderswo im Wald verboten
Frankreich unterschiedlich Kein landesweites Recht; vielerorts verboten; manche Nationalparks erlauben ein Biwak vom Abend bis zum Morgen

Deutschland im Detail

Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt allen, die freie Landschaft zu betreten, aber nicht, dort zu zelten. Die Waldgesetze der Länder verbieten das Zelten im Wald außerhalb dafür vorgesehener Flächen, in Nationalparks und Naturschutzgebieten kommen eigene Verbote hinzu. Einige Bundesländer, darunter Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, erlauben Wanderern unter Bedingungen eine Nacht außerhalb von Wald und Schutzgebieten, in Brandenburg etwa mit Zustimmung des Eigentümers. Die Bußgelder legen die Länder fest.

Die praktische Lösung sind Trekkingplätze in Deutschland: buchbare, einfache Lagerplätze im Wald, die genau für diesen Zweck eingerichtet wurden.

Österreich und Schweiz

In Österreich erlaubt das Forstgesetz das Zelten im Wald nur mit Zustimmung des Waldeigentümers. Außerhalb des Waldes gelten Landesgesetze und Gemeindeverordnungen, und einige Bundesländer verbieten das Campen außerhalb von Plätzen weitgehend. Ein Notbiwak im Gebirge wird anders bewertet als ein geplantes Übernachten.

In der Schweiz regeln Kantone und Gemeinden das Übernachten im Freien. Oberhalb der Baumgrenze ist eine einzelne Nacht in vielen Regionen geduldet, sofern kein Schutzgebiet betroffen ist. Der Schweizerische Nationalpark, Naturschutzgebiete und Wildruhezonen sind tabu. Viele Kantone informieren auf ihren Websites über ihre Regeln.

Skandinavien und Baltikum

Norwegen, Schweden und Finnland sind die klassischen Wildcamping-Länder. Das Jedermannsrecht erlaubt, auf unbebautem Land zu wandern, Beeren zu sammeln und ein Zelt aufzustellen, auch in privatem Wald, solange man Rücksicht nimmt. Strenger als viele erwarten sind die Feuerregeln: Bei Trockenheit gelten saisonale Verbote. Mehr zu diesen Landschaften lesen Sie in unserem Beitrag über die Taiga in Skandinavien und Finnland. In Estland betreibt die staatliche Forstverwaltung zahlreiche kostenlose Lager- und Rastplätze im Wald.

Großbritannien

Schottland gewährt per Gesetz ein Recht auf verantwortungsvolles Wildcampen auf den meisten nicht eingezäunten Flächen. Der Outdoor Access Code empfiehlt kleine Gruppen, höchstens zwei bis drei Nächte und Abstand zu Straßen und Gebäuden. In England und Wales gibt es dieses Recht nicht, mit Ausnahme ausgewiesener Flächen im Dartmoor-Nationalpark.

Übriges Europa

Polens Staatsforsten weisen Waldgebiete aus, in denen Übernachten erlaubt ist, anderswo im Wald nicht. In Tschechien und der Slowakei ist Zelten im Wald und in Nationalparks außerhalb ausgewiesener Stellen verboten. Frankreich kennt keine einheitliche Regel; einige Nationalparks erlauben ein Biwak in Wegnähe von abends bis morgens. In Spanien, Italien und Portugal sind die Regeln regional oft streng, besonders an den Küsten.

Verantwortungsvoll übernachten

Ein Recht ist kein Freibrief. Zelt auf robustem Untergrund, Abstand zu Gewässern, Kocher statt Lagerfeuer, Müll wieder mitnehmen. Die Grundsätze dazu stehen in Spurenlos im Wald unterwegs, die passende Leichtausrüstung in unserer Ausrüstungsliste für Wildnistouren. Wo Zelten nicht erlaubt ist, ist eine abgelegene Waldhütte oft die beste Alternative.

Häufige Fragen

Ist Biwakieren ohne Zelt etwas anderes als Zelten?

Teilweise ja. Eine Nacht im Biwaksack unter freiem Himmel wird in manchen Regionen geduldet, in denen ein Zelt verboten ist, etwa oberhalb der Baumgrenze in Teilen der Schweiz. Ein allgemeines Schlupfloch ist das nicht, und in Schutzgebieten ist meist beides verboten.

Was droht beim verbotenen Wildcampen in Deutschland?

Meist werden Sie aufgefordert, weiterzuziehen. Es sind aber Bußgelder möglich, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausfallen und in Naturschutzgebieten deutlich höher sein können.

Darf ich in Skandinavien überall zelten?

Nicht überall. Das Jedermannsrecht verlangt Abstand zu Häusern, keine Nutzflächen, nur ein bis zwei Nächte am selben Ort und Rücksicht auf die Natur. In Nationalparks gelten oft Zusatzregeln.

Wo darf ich in Deutschland legal draußen schlafen?

Auf Campingplätzen und auf buchbaren Trekkingplätzen. Einzelne Bundesländer erlauben Wanderern unter Bedingungen eine Nacht außerhalb von Wald und Schutzgebieten, der Wald selbst ist aber in der Regel tabu.

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