Spurenlos im Wald unterwegs: Leave No Trace in Europa

Die sieben Leave-No-Trace-Grundsätze für Wälder in Deutschland und Europa erklärt: Planung, Lagern, Müll, Feuer, Wildtiere, Rücksicht und die Rechtslage.

PraxisVeröffentlicht

Spurenlos unterwegs sein bedeutet, den Wald so zu besuchen, dass die Nächsten, aber auch Pflanzen und Tiere, ihn so vorfinden wie Sie. Am bekanntesten sind die sieben Grundsätze des US-amerikanischen Leave No Trace Center for Outdoor Ethics (englisch). Sie wurden für die Wildnis Nordamerikas formuliert, lassen sich aber gut auf Europa übertragen, wo viele davon ohnehin im Wald- und Naturschutzrecht stehen.

Die sieben Grundsätze im Überblick

Grundsatz Was das im Wald bedeutet
1. Vorausplanen und vorbereiten Regeln des Gebiets, Wetter und erlaubte Übernachtungsplätze kennen
2. Auf robusten Flächen gehen und lagern In Schutzgebieten auf den Wegen bleiben, ausgewiesene Plätze nutzen
3. Abfälle richtig entsorgen Alles wieder mitnehmen, die Notdurft richtig erledigen
4. Hinterlassen, was man findet Keine Pflanzen, Steine, Geweihe oder Totholz aus Schutzgebieten mitnehmen
5. Feuer vermeiden Kocher nutzen, Feuer nur, wo ausdrücklich erlaubt
6. Wildtiere respektieren Abstand halten, nicht füttern, Hunde an die Leine
7. Rücksicht auf andere Leise sein, Wege teilen, Eigentum respektieren

1. Vorausplanen

Die meisten Schäden entstehen aus Unwissen. Prüfen Sie vor der Tour, ob Sie einen Nationalpark, ein Naturschutzgebiet oder eine Wildruhezone betreten und welche Regeln dort gelten. Klären Sie, wo Sie übernachten dürfen; einen Überblick bietet Wildcampen in Europa: Regeln je Land. Planen Sie den Proviant so, dass wenig Müll entsteht, und wählen Sie ruhigere Zeiten.

2. Auf robusten Flächen bleiben

In den Kernzonen vieler Nationalparks gilt ein Wegegebot. Auch wo Sie den Weg verlassen dürfen, schadet Gehen auf Fels, Kies oder trockenem Laub weniger als das Zertreten von Moos, Jungbäumen oder feuchtem Boden. Zum Übernachten nutzen Sie vorhandene Plätze wie die Plattformen der Trekkingplätze in Deutschland, statt neue anzulegen, und halten Abstand zu Ufern.

3. Abfälle richtig entsorgen

Nehmen Sie alles wieder mit, auch Essensreste, Schalen und Taschentücher. Wo es keine Toilette gibt:

  • weit weg von Gewässern, Wegen und Lagerplatz gehen, möglichst mehr als 50 Meter
  • ein etwa 15 bis 20 Zentimeter tiefes Loch graben und danach zuschütten
  • Toilettenpapier mitnehmen, wo es verlangt wird, Hygieneartikel immer
  • nur wenig biologisch abbaubare Seife verwenden, fern von Gewässern

4. Hinterlassen, was Sie finden

Totholz, Pilze und Flechten sind wesentliche Bestandteile eines alten Waldes, wie unser Beitrag über die letzten Urwälder Europas zeigt. Lassen Sie sie liegen. In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist das Sammeln meist verboten. Außerhalb von Schutzgebieten erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz in der Regel, kleine Mengen häufiger Pflanzen, Beeren und Pilze für den eigenen Bedarf mitzunehmen.

5. Feuer vermeiden

Waldbrände nehmen in ganz Europa an Bedeutung zu. In Deutschland verbieten die Landeswaldgesetze offenes Feuer im Wald außer an ausgewiesenen Feuerstellen, oft auch in einem bestimmten Abstand zum Waldrand; ähnliche Regeln gelten in Österreich und der Schweiz. Bei hoher Waldbrandgefahr, die der Deutsche Wetterdienst täglich einstuft, können Verbote auch Kocher betreffen. Wo Feuer erlaubt ist: vorhandene Feuerstelle nutzen, klein halten, nur am Boden liegendes Totholz verbrennen und vollständig löschen.

6. Wildtiere respektieren

Beobachten Sie Tiere aus der Entfernung und füttern Sie sie nie. Hunde gehören an die Leine, besonders in der Brut- und Setzzeit im Frühjahr und in Wolfsgebieten; einige Bundesländer schreiben das in dieser Zeit ausdrücklich vor. Im Winter haben Tiere kaum Energiereserven, Ruhezonen sind dann besonders wichtig. Drohnen sind in vielen Schutzgebieten verboten, weil sie Vögel und Menschen stören.

7. Rücksicht auf andere

Viele kommen wegen der Ruhe in den Wald. Leise sein, auf schmalen Wegen ausweichen, Gatter so hinterlassen, wie man sie vorgefunden hat. Ein großer Teil des Waldes gehört privaten Eigentümern, und auch Forstleute und Jäger haben dort ihre Aufgaben.

Spurenlos zelten: eine kurze Checkliste

Wer legal draußen übernachtet, etwa auf einem Trekkingplatz oder in Skandinavien, kann mit wenigen Handgriffen dafür sorgen, dass am nächsten Morgen nichts zurückbleibt:

  • spät ankommen, früh aufbrechen, besonders außerhalb ausgewiesener Plätze
  • Zelt auf bereits genutzter oder robuster Fläche aufstellen, keine Gräben ziehen
  • Kochen auf Stein oder Kies, nie auf Moos oder trockenem Gras
  • Spülwasser durch ein Sieb gießen und weit weg vom Ufer verteilen
  • vor dem Gehen eine letzte Runde über den Platz: Heringe, Folienreste, Kronkorken

Auch für kurze Besuche

Die Grundsätze gelten nicht nur für Expeditionen. Ein Spaziergang oder ein Waldbad profitiert von denselben Gewohnheiten: auf dem Weg bleiben, Müll mitnehmen, den Wald Wald sein lassen.

Was beim spurenlosen Unterwegssein hilft

Ein paar Dinge erleichtern das: Müllbeutel, eine kleine Schaufel, ein Kocher, ein Wasserfilter statt Plastikflaschen und eine wiederverwendbare Dose für Snacks. Alles steht in unserer Ausrüstungsliste für Wildnistouren.

Häufige Fragen

Darf ich Obstschalen im Wald liegen lassen?

Nein. Bananen- und Orangenschalen verrotten langsam, locken Tiere an und stören die Nächsten. Nehmen Sie alle Essensreste wieder mit.

Darf ich im Wald ein Lagerfeuer machen?

In Deutschland in der Regel nicht. Die Landeswaldgesetze verbieten offenes Feuer im Wald und oft auch in seiner Nähe, außer an ausgewiesenen Feuerstellen, und bei Trockenheit gelten zusätzliche Verbote. Ein Kocher ist die sicherere Wahl; prüfen Sie auch dafür die Regeln vor Ort.

Darf ich Pilze, Beeren oder Blumen sammeln?

Außerhalb von Schutzgebieten dürfen in Deutschland meist kleine Mengen häufiger Pflanzen und Pilze für den eigenen Bedarf gesammelt werden. In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist das oft verboten. In Skandinavien erlaubt das Jedermannsrecht das Sammeln von Beeren und Pilzen weitergehend.

Was tun, wenn ich mal muss und keine Toilette da ist?

Gehen Sie weit weg von Gewässern, Wegen und Lagerplätzen, graben Sie ein etwa 15 bis 20 Zentimeter tiefes Loch und schütten Sie es danach zu. Toilettenpapier nehmen Sie mit, wo es verlangt wird, Feuchttücher und Hygieneartikel immer.

Mehr aus Praxis