Die einsamsten Orte Deutschlands: Wildnis, Weite, Stille

Wo Deutschland am einsamsten ist: große unzerschnittene Räume, dünn besiedelte Regionen und stille Nationalparks, mit Kriterien und Hinweisen zur Anreise.

Abgelegene OrteVeröffentlicht

Die einsamsten Orte Deutschlands liegen in den Kernzonen großer Nationalparks wie Bayerischer Wald und Harz, in den Heiden, Wäldern und Seenlandschaften Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns, in der Altmark und in Mittelgebirgen wie Rhön und Pfälzerwald. Wirklich straßenfern ist in Deutschland kaum ein Ort. Einsam heißt hier: große Räume ohne viel befahrene Straßen, wenige Menschen und Stille, besonders früh am Morgen und außerhalb der Ferien.

Wie wir „einsam“ messen

Für Deutschland taugen globale Reisezeitkarten wenig, weil fast jeder Punkt in kurzer Zeit eine Stadt erreicht. Mehr zu diesen Karten steht unter Erreichbarkeitskarten erklärt. Sinnvoller sind drei andere Kriterien:

Kriterium Bedeutung Quelle
Unzerschnittene verkehrsarme Räume zusammenhängende Flächen von mindestens 100 km², die nicht von stark befahrenen Straßen, Bahnlinien oder Siedlungen zerschnitten werden Bundesamt für Naturschutz
Bevölkerungsdichte Einwohner je Quadratkilometer auf Kreisebene Statistische Ämter
Schutzstatus und Wegegebot große Kernzonen ohne Nutzung, wenig Infrastruktur Nationalparkverwaltungen

Die Liste unten kombiniert diese Kriterien. Sie ist eine redaktionelle Auswahl, keine amtliche Rangliste.

Einsame Gebiete im Überblick

Gebiet Land Warum still Ohne Auto
Nationalpark Bayerischer Wald, Grenzkamm Bayern große Kernzone, kaum Straßen am Grenzkamm gut: Waldbahn, Igelbus
Hochharz Niedersachsen, Sachsen-Anhalt weite Fichtenwälder, Hochmoore, nur der Brocken ist voll gut: Harzer Schmalspurbahnen, Busse
Müritz-Nationalpark, Serrahn Mecklenburg-Vorpommern Seen, Moore, alter Buchenwald, dünn besiedelt mittel: Bahn bis Neustrelitz, dann Rad
Brandenburger Heiden Brandenburg ehemalige Truppenübungsplätze, heute Wildnis mittel: Regionalbahn, lange Wege
Uckermark und Schorfheide Brandenburg Seen, Wälder, sehr wenige Menschen gut: Regionalbahn aus Berlin
Altmark und Elbtalaue Sachsen-Anhalt, Niedersachsen Flusslandschaft, kleine Dörfer, weite Ebenen mittel: Regionalbahn, Rad
Rhön, Lange Rhön Bayern, Hessen, Thüringen offene Hochfläche, Sternenpark mittel: Bus, saisonal
Pfälzerwald Rheinland-Pfalz eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands gut: Regionalbahn ins Tal

Bayerischer Wald

Am Grenzkamm zwischen Lusen, Rachel und Falkenstein schließt der tschechische Nationalpark Šumava an, zusammen eine der größten Waldlandschaften Mitteleuropas. In der Kernzone gilt Wegegebot, abseits der Gipfel ist es auch im Sommer ruhig. Details im Ratgeber Nationalpark Bayerischer Wald.

Harz

Der Brocken ist alles andere als einsam. Schon wenige Kilometer weiter, in den Fichtenwäldern und Mooren des Hochharzes, begegnen Ihnen unter der Woche nur wenige Menschen.

Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern

Die beiden Länder gehören zu den am dünnsten besiedelten Deutschlands. Seen, Kiefernwälder, Moore und Alleen prägen die Landschaft. Auf ehemaligen Truppenübungsplätzen entstehen Wildnisgebiete, doch dort kann noch Munition im Boden liegen. Betreten Sie solche Flächen nur auf markierten, freigegebenen Wegen. Mehr dazu unter Wildnisgebiete in Deutschland.

Altmark und Elbtalaue

Die Elbe zwischen Wittenberge und Lauenburg fließt durch eine weite, dünn besiedelte Auenlandschaft, die als Biosphärenreservat geschützt ist. Wer mit dem Rad unterwegs ist, kommt hier stundenlang durch kleine Dörfer und Wiesen.

Rhön und Pfälzerwald

Die Lange Rhön ist eine offene, waldarme Hochfläche, berühmt für weite Blicke und dunkle Nächte. Der Pfälzerwald dagegen ist ein riesiges Waldgebiet mit Buntsandsteinfelsen, das zusammen mit den Nordvogesen in Frankreich ein grenzüberschreitendes Biosphärenreservat bildet.

Einsamkeit hängt vom Zeitpunkt ab

Selbst in beliebten Gebieten sind Sie allein, wenn Sie:

  • früh starten, vor 8 Uhr,
  • unter der Woche und außerhalb der Schulferien unterwegs sind,
  • Wege jenseits der Aussichtspunkte wählen, die Massen bleiben meist auf den ersten zwei Kilometern,
  • Nebensaison nutzen: November, März und April sind fast überall still.

So finden Sie Ihre eigene einsame Ecke

Die stillsten Orte stehen selten in Reiseführern. Mit einer topografischen Karte finden Sie sie selbst:

  1. Leere Flächen suchen. Auf der Karte nach großen Gebieten ohne Ortschaften, Bundesstraßen und Bahnlinien Ausschau halten. Der Kartendienst des Bundes und die Landesvermessungsämter bieten kostenlose topografische Karten online.
  2. Wegenetz prüfen. Je weniger breite Forstwege, desto ruhiger. Schmale Pfade und Grenzwege sind meist leerer als ausgebaute Wanderautobahnen.
  3. Erreichbarkeit mit dem ÖPNV checken. Ein Startpunkt, den nur ein Bus wenige Male am Tag anfährt, filtert die Besucher von selbst.
  4. Schutzgebietsregeln lesen. Kernzonen, Brutzeiten und Sperrflächen beachten, besonders auf ehemaligen Truppenübungsplätzen.

Österreich und Schweiz

In den Alpen ist Einsamkeit leichter zu finden als im deutschen Mittelgebirge, weil es dort Täler ohne Straße gibt. Beispiele sind Seitentäler im Nationalpark Hohe Tauern, das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal in Niederösterreich und abgelegene Täler im Tessin und in Graubünden. Hier gelten allerdings die Regeln des Hochgebirges: Wetterumschwünge, Steinschlag und lange Wege bis zur nächsten Hilfe.

Nachts draußen

Wildcampen ist in Deutschland weitgehend verboten, in Schutzgebieten ganz. Wer an einem einsamen Ort übernachten möchte, findet in mehreren Regionen buchbare Trekkingplätze, etwa im Pfälzerwald oder in der Eifel. Überblick unter Trekkingplätze in Deutschland. Wo die Nacht noch wirklich dunkel ist, zeigt Sternenparks in Europa, darunter Westhavelland und die Rhön.

Sicher bleiben

Auch in Deutschland gibt es Funklöcher, gerade in Mittelgebirgstälern und an Grenzkämmen. Teilen Sie Ihre Route mit, laden Sie Karten offline und denken Sie an Zeckenschutz. Der Notruf ist 112.

Häufige Fragen

Wo ist Deutschland am einsamsten?

Eine amtliche Rangliste gibt es nicht. Nach Bevölkerungsdichte liegen Regionen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und der Altmark vorn, nach großen unzerschnittenen Räumen auch Teile Bayerns und Mittelgebirge. Für Wanderer sind die Kernzonen großer Nationalparks am stillsten.

Gibt es in Deutschland Orte ohne Straße in der Nähe?

Kaum. Das Straßen- und Wegenetz ist sehr dicht, selbst im Nationalpark erreichen Sie in wenigen Gehstunden eine Straße. Darum misst das Bundesamt für Naturschutz lieber, wie groß die Räume zwischen stark befahrenen Straßen sind.

Darf ich an einsamen Orten zelten?

Wildcampen ist in Deutschland weitgehend verboten, in Schutzgebieten ganz. Für eine Nacht draußen gibt es in mehreren Regionen buchbare Trekkingplätze.

Wie finde ich einsame Ecken selbst?

Auf topografischen Karten nach Flächen ohne Orte und große Straßen suchen, früh am Morgen und unter der Woche starten und Wege jenseits der bekannten Aussichtspunkte wählen.

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